Wie barrierefrei ist Schwerin

Diese Frage stellten sich knapp 20 Teilnehmer beim Landesverbandstreffen vom LV-Nord vom 03.10 bis zum 06.10. im Schullandheim Muess. Muess liegt im Speckgürtel von Schwerin, der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Das Thema des Familienwochenende über den Tag der Deutschen Einheit lautete Inklusion. Dazu gehört natürlich auch sehen, wie eine Landeshauptstadt seine historischen Sehenswürdigkeiten mit der Barrierefreiheit verbinden kann.

Als die Teilnehmer am Donnerstag im Schullandheim ankamen, fiel allen gleich auf, dass dort kaum Handyempfang vorhanden war. Dies machte eine Kommunikation von einem Raum zum Anderen zur Glückslotterie, was für Familien, die getrennt schliefen, nicht gerade praktisch war. Desweiteren gab es – jedenfalls für sehr rückenempfindliche OIler – nur ungeeignete Fußwege in der Nähe. Außerdem gab es keine Möglichkeit, barrierefrei in den Bus einsteigen zu können, sodass man am Freitag und Samstag immer mit den Autos in die Innenstadt fuhr.

Bei der ersten Besichtigung der Zimmer fiel auf, dass es eher wie eine Jugendherberge eingerichtet war. Aber jedes Zimmer hatte ein Fernseher auf dem Zimmer. Nur in den Badezimmern gab es für Rollstuhlfahrer Probleme. Die Handtuchhalter waren oben an der Tür befestigt – die Frage, wie dort ein Rollstuhlfahrer rankommen soll, blieb offen. Außerdem waren die Toiletten ungewöhnlich hoch.

Kerstin Prigge referierte am Freitagmorgen über den behindertengerechten Umbau von Wohnungen. Dabei konnte sie den Teilnehmern wertvolle Tipps vermitteln, wie sich Betroffene ihre Wohnungen oder Häuser nach ihren Bedürfnissen umbauen können. Außerdem wurden verschiedene Möglichkeiten der Förderung bei den unterschiedlichsten Trägern aufgezeigt und in diesem Zusammenhang der Unterschied zwischen einer Wohnung zur Miete oder als Eigentum dargelegt. Eine Baumaßnahme darf niemals vor Antragsstellung begonnen werden.

Die Führung durch den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, welcher im Schweriner Schloss integriert ist, war auch für die Rollstuhlfahrer sehr gut zu bewältigen. Es war die erste Führung die mit so vielen Rollstuhlfahrern stattfand, was für das Personal eine besondere logistische Herausforderung darstellte, welche sie mit Souveränität und Ruhe bravourös meisterten. Da bis zur vergangenen Legislaturperiode auch ein Rollstuhlfahrer im Landtag saß, ist das Parlament barrierefrei gestaltet. In der Stadt war auffällig, dass die Straßen rund um das historische Stadtzentrum vom Kopfsteinpflaster nur so übersät sind. Es gibt Straßen, in denen das Kopfsteinpflaster geglättet wurde. Dies ist ein sehr guter Anfang, aber davon gab es noch zu wenige. Die meisten Rollstuhlfahrer klagten am Abend über Rückenschmerzen.

Am Samstagmorgen begann der Tag mit einer Arbeitsgruppe über die Inklusion in der Gesellschaft. In der wurden die UN-Konventionen mit der Wirklichkeit verglichen. Bei dem Vortrag ging es auch darum, welche Rechte wir jetzt schon haben, um viele inklusive Maßnahmen einzufordern, vor allem die inklusive Schule zu der Jan Warnke noch einige aktuelle Ausführungen machte. Als Resümee ist festzuhalten, dass sich noch einiges tun muss, damit Deutschland die UN-Konvention erfüllt.

Auch wenn unser Restaurant nicht gerade barrierefrei war, zeigte der Wirt besondere Einsatzbereitschaft und brachte uns alle gemeinsam auf der Empore des Raumes über den Seiteneingang unter, der nur über eine Stufe zu erreichen war. Das Essen mundete allen hervorragend. Nach dem Essen bekamen die Erwachsenen einen Stadtrundgang, während die Jugendlichen versuchten, sich mit einer Geo-Caching-Tour die Geschichte Schwerins nahe zu bringen. Der Stadtrundgang war sehr gut geführt, nur die Jugendlichen hatten ihre Probleme. Nicht zuletzt, da die schlechten Wege wieder bewältigt werden mussten, sondern auch, da die GPS-Geräte streikten und die Ziele nicht gefunden wurden. Auch die ortskundigen Jugendhelfer wussten keinen Rat mehr. Am Abend wurde in der Gruppe ein Gemeinschaftsspiel gespielt und die hervorragenden Jugendhelfer verabschiedet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schwerin als Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommern noch einiges verändern muss, um wirklich barrierefrei zu sein. Die Herausforderung zwischen der historische Altstadt und Barrierefreiheit wird ein schwieriger Weg.

Max Prigge